Mit der Waschpfanne auf den Spuren des Goldes.
Die Deutschen haben ein neues Hobby: das Goldfieber. So begeben sich am Wochenende immer mehr Abenteurer auf die Suche nach Nuggets. Aber nicht in Afrika, Amerika oder Australien, sondern direkt vor Ort.
Carsten Bischoff
Andrea aus Elmshorn hat schon viel von der Welt gesehen. Südamerika, Indien, Neuseeland. Wenn das Ziel nur exotisch genug war, gab es für sie kein Halten: „Da sind mein Mann und ich einfach losgefahren”, erzählt die 36-Jährige. Erst als sich Nachwuchs einstellte, gönnte die Diätassistentin ihrem Entdeckergeist eine Pause. Jetzt hat sie das Reisefieber aufs Neue gepackt. Ihr Stimulans: Reisen auf den Spuren des Goldes!
08/15-Urlaubsreisen?
Der Magie des Edelmetalls erliegt die Norddeutsche mittlerweile gut dreimal im Jahr – „gebuchte 08/15-Urlaubsreisen” dagegen lassen sie völlig kalt. Wie Andrea ergeht es inzwischen immer mehr Deutschen: Auf der Suche nach dem ganz besonderen Wochenend-Erlebnis haben sie die Königin der Edelmetalle entdeckt. Goldsuchen ist „in” – und für viele Berufstätige offenbar genau das richtige Freizeitvergnügen mit dem unwiderstehlichen Mix aus Naturerlebnis, Gewinnlust und Abenteuer.
Fundgrube für Reiseveranstalter
Eine Fundgrube auch für Reiseveranstalter, von denen sich einzelne gar aufs Thema „Gold” spezialisiert haben – darunter www.goldreisen.de aus dem fränkischen Königsberg. Das Reisesegment von „Europäische Studien- und Erlebnisreisen (ESE)” hat neben Goldwasch-Touren auch Reisen für Investoren sowie Kulturreisen im Angebot. Auf der Spur von Gold und Silber führen die Trips mal zu Förderminen nach Australien oder Südamerika, mal an die Stätten der Inkas oder ins tschechische Goldstädtchen Jílové bei Prag. Auch für 2007 führt Veranstalter Bernhard Schneider „Hochkarätiges” im Schilde. Geplant sind unter anderem diverse Minenbesichtigungen sowie Entdeckungstouren nach Südafrika, China und zum Gold der Zaren. Daneben stehen Goldwasch-Reisen zum Yukon und ins Schweizer Napfgebiet ebenfalls auf dem Programm.
Für alle, die die Goldsuche als einträgliches Hobby am liebsten in Heimatnähe betreiben, gibt es auch hierzulande zahlreiche Alternativen. So zum Beispiel im Thüringer Wald, wo der Frankfurter Banker Dieter (37) erst jüngst ein Wochenende lang die Waschpfanne kreisen ließ. Im Gebiet Saalfeld – an den Ausläufern des Erzgebietes und des Thüringer Waldes bietet die Schwarza mit ihren Nebenflüssen „Gold-Diggern” heute noch ein reiches Betätigungsfeld. Vor allem im Grümbenbach bei Sonneberg, Reichmannsdorf, Kösele, Lauscha oder Göritz kann die Suche einträglich sein.
Neben Ausbildungsexkursionen ins Thüringer Schiefergebirge (Infos: www.goldsuche-thueringen.de) kann man auch andernorts fündig werden, so etwa in der Eifel (einige Bäche zwischen Stolberg und Eupen), im Schwarzwald (bei Lörrach an der Wiese) oder im Hunsrück (am Oberlauf der Mosel bei Großbach und Guldenbach). Selbst das legendäre Rheingold wartet noch auf Entdecker. Das berühmte Edelmetall, aus dem sich einst die baden-württembergischen Herzöge ihre Goldtaler prägen ließen, kommt nach wie vor in Flussabschnitten zwischen Waldshut und Mainz sowie in Kiesgruben und Altrheinarmen vor.
Vereinzelt kann der Goldsucher auf einschlägige Ortsnamen vertrauen. Bei Goldhausen in der Nähe des hessischen Korbach, wo es weiterhin ein mittelalterliches Goldbergwerk gibt, führen manche Flüsse und Bäche noch immer Gold – vor allem im Gebiet der Edeltalsperre. „Nomen est omen” gilt darüber hinaus für Orte wie Goldberg und Goldkronach bei Weiden in der Oberpfalz.
Bleibt die Frage nach den rechtlichen Bestimmungen. Laut Justitia darf in Deutschland grundsätzlich jedermann Gold schürfen. Erforderlich ist jedoch die Genehmigung des Grundeigentümers, bei Flüssen die Erlaubnis der Anrainer. Wer auf Suche geht, sollte sich einfach an folgende Grundregel halten: Vorher fragen und hinterher zeigen, was gefunden wurde. Das erspart lästige Fragen und missgünstige Gerüchte.
Weitere Tipps zu Goldvorkommen und Fachliteratur finden sich auf:
www.goldwaschen.de




