Traumberuf Alchimist.
Der Stein der Weisen – wer hätte gedacht, dass er jemals noch gefunden werden sollte? Die Alchimisten von einst wussten zwar nicht, aus welcher Substanz er besteht, aber dass er uns letztendlich in der Größe eines Atomkraftwerks erscheint, hätte sie bestimmt überrascht.
Thorsten Kröning
Um kaum ein anderes Thema ranken sich mehr Mythen, Sagen und Geschichten als um das des Goldes. Noch heute, in unserem aufgeklärten Zeitalter, übt Gold eine derartige Faszination aus, dass die Worte Goldgier, Goldrausch und Goldfieber allenfalls eine nette Umschreibung für die tiefe Begeisterung sein können. Die ältesten Zeugnisse der Alchimie reichen bis ins 7. Jahrhundert zurück. Auf der Suche nach dem Stein der Weisen, der unedle Metalle in Gold verwandeln sollte und ewige Jugend versprach, verlor so mancher Investor seine Geduld und so mancher Forscher sein Leben. Wobei die Wirkung nicht allzu abschreckend gewesen sein kann, denn die Bemühungen hielten bis ins 17. Jhdt. an. Also handelt es sich bei der Alchimie um die vermutlich kostenintensivste und erfolgloseste Wissenschaft aller Zeiten. Das Wort Alchimie setzt sich übrigens aus „al”, der fruchtbaren Erde und „chemia” der Schmelzung zusammen. Und da wären wir: bei der Schmelzung. Und tatsächlich ist es (rein theoretisch, aber immerhin) möglich, Gold synthetisch herzustellen. So kommt in gewisser Weise der Traum der Alchimisten zu einer späten Erfüllung, denn beim radioaktiven Zerfall werden die Elemente umgewandelt. Den durch Neutronenbeschuss gezielt hervorgerufenen Kernzerfall nennt man Kernspaltung. Zusammen mit der Kernfusion, also der Kernverschmelzung, stellt sie die prinzipielle Möglichkeit einer uneingeschränkten Umformung der Elemente ineinander dar. Doch bleibt dieser Traum auch heute nur ein Traum, denn während die kontrollierte Kernspaltung bereits technisch realisiert wird, ist eine kontrollierte Kernfusion noch nicht gelungen. Also irgendeinen Haken haben Träume doch immer.




